»Es gibt wohl kaum einen Politiker in unserem Land, für den die Hinwendung zu den Menschen so elementar ist, wie für Manfred Stolpe.« Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder anlässlich der SPD-Festveranstaltung zum 75. Geburtstag von Bundesminister a.D. Manfred Stolpe.

 

Auszüge aus der Rede:

 

»Lieber Manfred, Deine besonderen Gaben und Fähigkeiten waren in einer wichtigen Entwicklungsphase unseres Landes von großem Wert. Gerade Du, als verantwortlicher Politiker der ersten Stunde nach 1989, hast immer darauf hingearbeitet und stets daran erinnert, dass wir die deutsche Einigung als eine Einigung der Menschen zu begreifen haben. Dass jeder mit seinen Besonderheiten und seinen besonderen Fähigkeiten zupacken muss, aber auch jeder beitragen kann. Dass jeder auf diesem Weg mitgenommen werden kann. So hast Du wesentlich daran mitgewirkt, die Menschen aus beiden Teilen Deutschlands zusammen zu führen.

In unserer gemeinsamen Arbeit im Bundesrat und später in der Bundesregierung habe ich Manfred Stolpe stets für seine Ausgeglichenheit bewundert. Und für seine Ausstrahlung, die ich – ganz altmodisch – mit unverzagt und frohgemut beschreiben möchte. Sie hat etwas Magisches, sie wirkt ansteckend. Manfred Stolpe gehört zu denen, die konstruktiv und optimistisch an der Verbesserung der Welt arbeiten – wissend, dass wir dabei nur langsam vorankommen und gelegentliche Rückschläge in Kauf nehmen müssen. Persönliche Angriffe haben ihn nicht aus der Bahn geworfen. Im Gegenteil: Geduldig hat er sich mit allen auseinander gesetzt, sich vor keinen Anwürfen und Hindernissen weggeduckt. Bei allem, was er tut, gelingt es ihm, Gelassenheit und Zuversicht auszustrahlen.

Ich habe mich immer gefragt, woher er die Kraft für diese Haltung nimmt. Und damit komme ich zu dem Kirchenmann Stolpe, dem evangelischen Christen. Die Lutheraner sprechen ja von der Freiheit eines Christenmenschen, die aus dem Gefühl einer Geborgenheit in Gott entsteht. Diese Befreiung von Angst um sich selbst macht Kopf und Hand frei für den Dienst am Nächsten. Die Einsicht in die Fehlbarkeit des eigenen Tuns muss uns nicht in die Verzweiflung treiben, sondern kann uns auch frei, gelassen und hilfsbereiter machen. Das scheint mir, ist der Quell, aus dem Manfred Stolpe seine Kraft, auch seine Überzeugungskraft schöpft.«

 

Quelle: Auszüge aus dem Manuskript der Rede von Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder anlässlich der SPD-Festveranstaltung zum 75. Geburtstag von Bundesminister a.D. Manfred Stolpe am Montag, 16. Mai 2011 in Potsdam.