Politische Gestaltung der EU
Frankreichs Präsident Chirac und Kanzler Schröder (hier in Berlin 2004) sahen die enge deutsch-französische Zusammenarbeit als einen Motor der europäischen Einigung an (Foto: Marco Urban).

Um die Europäischen Union auf die Erweiterung um die osteuropäischen Staaten vorzubereiten, galt es zu Beginn des Jahrtausends die europäischen Institutionen und Verträge zu reformieren. Hierbei spielten die deutsch-französischen Beziehungen, insbesondere die enge Zusammenarbeit von Präsident Chirac und Bundeskanzler Schröder eine große Rolle. Beide Staaten sahen sich als Motor der europäischen Einigung und Vertiefung. Nach dem EU-Vertrag von Nizza im Jahr 2000 gaben beide Politiker dem Prozess zur Schaffung einer vertieften politischen Union in Europa neue Impulse. Ein europäischer Konvent wurde einberufen, der den Entwurf für eine Europäische Verfassung erarbeitete. Die Verfassung scheiterte in Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden, Teile des Entwurfs flossen jedoch in den EU-Vertrag von Lissabon im Jahr 2007 ein. Sie trugen dazu bei, die Europäische Union, unter anderem durch einen Grundrechtekatalog,  demokratischer und handlungsfähiger zu gestalten. Die deutsch-französische Freundschaft kam in einer historisch einzigartigen Geste zum Ausdruck: Bei einem EU-Gipfel im Jahr 2003 vertrat Präsident Chirac den Kanzler, der an einer zeitgleichen Bundestagsabstimmung teilnahm, und stimmte für Deutschland ab. Die beiden Politiker begründeten die „Blaesheim-Treffen“ (benannt nach einer elsässischen Gemeinde), bei denen sich die beiden Regierungen vor EU-Gipfeln abstimmen. Anlässlich des 40. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages proklamierten sie den 22. Januar zum alljährlichen „Deutsch-französischen Tag“.

Weitere Informationen: Rede von Gerhard Schröder zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags am 22. Januar 2003