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„Keine Frage, Aufstieg, Wille zum Aufstieg, zum sozialen Aufstieg, hat natürlich in meinem Leben eine Rolle gespielt. Mich hat Politik auch als Möglichkeit, gestalterisch zu wirken, interessiert. Nicht über einen bestimmen zu lassen, sondern schon mitzubestimmen, wohin sich die Gesellschaft entwickelt, das war sicher das wichtigste Argument und das wichtigste Motiv.“

Gerhard Schröder, Interview mit dem Deutschlandfunk.


Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf

Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf (Foto: Daniel Biskup).

Gerhard Schröder war siebter Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland von 1998 bis 2005. Seine Kanzlerschaft war von umfassenden gesellschaftlichen und sozialen Reformen und einer zunehmenden internationalen Verantwortung Deutschlands geprägt. Nach dem Ausscheiden aus seinen politischen Ämtern ist Gerhard Schröder wieder als selbstständiger Rechtsanwalt in Hannover tätig und hat Ehrenämter übernommen. Zudem ist er Vorsitzender des Aktionärsausschusses der europäisch-russischen Gesellschaft Nord Stream AG, die eine Gaspipeline zwischen Westeuropa und Russland gebaut hat und betreibt. Gerhard Schröder ist mit Doris Schröder-Köpf verheiratet. Die Familie hat drei Kinder und lebt in Hannover.

Kindheit und Jugend

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Gerhard Schröder zusammen mit seinen Klassenkameraden Anfang der 50er Jahre.

Gerhard Schröder (links) zusammen mit seinen Klassenkameraden. Aufgenommen in den 50-er Jahren (Foto: DPA).

Am 7. April 1944 kommt Gerhard Fritz Kurt Schröder in dem Dorf Mossenberg (Nordrhein-Westfalen) zur Welt. Seinen Vater, der im Zweiten Weltkrieg als deutscher Soldat in Rumänien fällt, lernt er nicht kennen. Gerhard Schröder wächst zusammen mit seiner Schwester und seinen drei Halbgeschwistern in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Die Familie lebt zunächst in einer einfachen Baracke im Dorf Bexten, später im Dorf Talle im Landkreis Lippe. Seine Mutter Erika Vosseler arbeitet als Putzfrau, die Kinder müssen Bauern bei Ernte- und Stallarbeiten helfen. Als seine Mutter mit 99 Jahren stirbt, schreibt die Familie in der Todesanzeige: „Wir nannten sie Löwe, weil sie ihr Leben lang für uns gekämpft hat.“ In seiner Jugend ist Gerhard Schröder ein leidenschaftlicher Fußballspieler. Als Stürmer beim Verein TuS Talle nennen ihn seine Mitspieler „Acker“. Der Erfolg beim Fußball sei für ihn eine Form der sozialen Anerkennung gewesen, so Gerhard Schröder später.

Beruflicher Aufstieg durch Bildung

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Gerhard Schröder als junger Anwalt 1977 in Hannover

Gerhard Schröder als junger Anwalt 1977 in Hannover (Foto: AP-Photo/Fratzer).

Nach dem Besuch der Volksschule 1950 bis 1958 macht Gerhard Schröder zunächst eine Lehre als Einzelhandelskaufmann in einem Gemischtwarenladen in der Kleinstadt Lemgo. Wegen der Armut der Familie, die sich das Schulgeld nicht leisten konnte, war der Besuch einer weiterführenden Schule nicht möglich. Gerhard Schröder nutzt jedoch den zweiten Bildungsweg, um höhere Abschlüsse zu erreichen. Er zieht 1962 in die Universitätsstadt Göttingen und erwirbt dort neben der Arbeit in einem Eisenwarenhandel an einer Abendschule die Mittlere Reife. 1963 wechselt er an ein Bildungsinstitut, das jungen Erwachsenen ermöglicht, das Abitur zu erlangen. Mit 22 Jahren beginnt Gerhard Schröder ein Jurastudium an der Georg-August-Universität in Göttingen. Sein Studium finanziert er durch ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung und durch die Arbeit auf dem Bau. 1971 legt er sein erstes Staatsexamen ab. Die Examensarbeit beschäftigt sich mit dem damals politisch strittigen Thema der Berufsverbote. Im Anschluss daran leistet er sein Referendariat in einer Anwaltskanzlei und am Landgericht Hannover ab und beendet seine Ausbildung zum Juristen 1976 mit dem zweiten Staatsexamen. Er tritt in eine Anwaltskanzlei in Hannover ein, 1978 macht er sich mit einer eigenen Anwaltskanzlei selbstständig.

Politischer Aufstieg in Niedersachsen

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Der Juso-Vorsitzende Gerhard Schröder im Jahre 1979

Der Juso-Vorsitzende Gerhard Schröder im Jahre 1979 (Foto: J.H. Darchinger/Friedrich-Ebert-Stiftung)

Gerhard Schröder wird im Oktober 1963 in Göttingen Mitglied der SPD. Er ist beeindruckt von Helmut Schmidt, dem damaligen Hamburger Innensenator und späteren Bundeskanzler. Er engagiert sich in der SPD-Nachwuchsorganisation, den Jusos, und wird 1978 deren Bundesvorsitzender. Bei der Bundestagswahl 1980 tritt Gerhard Schröder im Wahlkreis Hannover-Land an und gewinnt ihn direkt. Er ist bis 1986 Mitglied des Bundestages. Die SPD nominiert ihn 1986 als Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niedersachsen. Die SPD gewinnt zwar deutlich hinzu, kann jedoch keine Regierungsmehrheit erreichen. Gerhard Schröder wird Oppositionsführer im Niedersächsischen Landtag. Bei der Landtagswahl 1990 wird die SPD mit ihm als Spitzenkandidat stärkste Partei. Gerhard Schröder wird zum Ministerpräsidenten von Niedersachsen gewählt und bildet eine rot-grüne Landesregierung. Bei den Landtagswahlen 1994 und 1998 kann die SPD die absolute Mehrheit der Mandate im Landtag erringen und eine Alleinregierung unter Führung von Gerhard Schröder stellen. (Foto: Jupp Darchinger, AdsD)

Bundeskanzler von 1998 bis 2005

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Bundeskanzler von 1998 bis 2005

Helmut Kohl gratuliert Gerhard Schröder zur Wahl zum Bundeskanzler am 27. Oktober 1998 (Foto: Marco Urban)

Nach dem Sieg bei der niedersächsischen Landtagswahl 1998 wird Gerhard Schröder zum SPD-Kanzlerkandidaten nominiert. Bei der Bundestagwahl 1998 gewinnt die SPD 40,9% und wird damit erstmals seit 1972 wieder stärkste Partei. Gerhard Schröder wird am 27. Oktober 1998 vom Bundestag zum Bundeskanzler gewählt. Er bildet eine rot-grüne Bundesregierung. Im Jahr 1999 übernimmt er nach dem Rücktritt von Oskar Lafontaine auch den Vorsitz der SPD, den er im Jahr 2004 an Franz Müntefering abgibt. Zur Bundestagswahl 2002 tritt Gerhard Schröder wieder als Spitzenkandidat an. Es gelingt der SPD mit 38,5% erstmals bei zwei aufeinander folgenden Bundestagswahlen stärkste Partei zu werden. Gerhard Schröder bildet erneut eine rot-grüne Regierung. Die Jahre 2003 bis 2005 sind vom Irak-Krieg und von der Agenda 2010 geprägt, die jedoch nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in Teilen der SPD umstritten ist. Da Gerhard Schröder um die politische Mehrheit im Bundestag fürchtet, stellt er am 01. Juli 2005 im Parlament die Vertrauensfrage, mit dem Willen, Neuwahlen herbeizuführen. Es geht ihm um ein neues Mandat, um die aus seiner Sicht notwendige Reformpolitik fortzusetzen. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 wird die SPD mit 34,2% knapp von CDU/CSU (35,2%) geschlagen. Da die rot-grüne Koalition ihre Mehrheit verloren hat, wird eine neue Koalition aus CDU, CSU und SPD unter Führung von Angela Merkel gebildet, die am 22. November 2005 vom Bundestag zur Bundeskanzlerin gewählt wird. Gerhard Schröder legt sein Bundestagsmandat nieder und zieht sich aus der aktiven Politik zurück.

Ehrenämter

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Nach dem Ende seiner Amtszeit als Bundeskanzler hat Gerhard Schröder nationale und internationale Ehrenämter übernommen, unter anderem:

  • Schirmherr von Projet Aladdin, das von der Fondation pour la Mémoire de la Shoah unter dem Patronat der UNESCO initiiert wurde und den globalen interkulturellen und interreligiösen Dialog fördert.
  • Schirmherr der Initiative Hilfe für ALS-kranke Menschen. Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine seltene unheilbare, ständig fortschreitende Erkrankung, die mit einer vollständigen Lähmung der Muskeln einhergeht.
  • Mitglied des InterAction Councils, eines internationalen Rates aus ehemaligen Staats- und Regierungschefs sowie des 21st Century Council und des Council on the Future of Europe des Berggruen Institute on Governance, die Vorschläge zur besseren globalen Regierungsführung und zur Weiterentwicklung der EU erarbeiten.

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