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Übergabe der Balkenhol-Skulptur „Hommage an August Macke“

Bonner Kunstprojekt der Stiftung Kunst und Kultur mit Stephan Balkenhol auf der Hofgartenwiese.

Credits: Stephan Balkenhol, Hommage an August Macke, 2018 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Stiftung für Kunst und Kultur e.V. / Daniel Biskup

 

»Wenn Kunst diese Emotionen hervorrufen kann, wenn sie einen solchen geistigen Impuls auslöst, ist sie gut und hat ihr wichtigstes Ziel erreicht«. Gerhard Schröder nimmt gemeinsam mit Ministerpräsident Armin Laschet und Oberbürgermeister Ashok Sridharan an der Übergabe der Skulptur von Stephan Balkenhol „Hommage an August Macke“ an die Stadt Bonn teil.

 

Auszug aus der Rede:

 

»Mir ist es ein ganz besonderes Vergnügen, an der feierlichen Enthüllung der Skulptur von Stephan Balkenhol „Hommage an August Macke“ teilnehmen zu dürfen. Mit beiden Künstlern verbinde ich Erinnerungen an einen wichtigen Abschnitt in meinem Leben. Und die fallen in meine Zeit als Bundeskanzler.

Ich habe den Bildhauer vor fast zwanzig Jahren kennengelernt. Damals, im Jahr 2001, hatte ich zusammen mit meinem Kulturstaatsminister Michael Naumann entschieden, Künstler einzuladen, das neue Bundeskanzleramt in Berlin auszugestalten. So kam es, dass Stephan Balkenhol den Auftrag bekam, sich mit dem Bankettsaal des Hauses zu beschäftigen. Das ist der Raum, in dem offizielle Staatsgäste und ihre Delegationen empfangen und bewirtet werden.

Die Aufgabe war nicht leicht. Denn der Raum hat eine eigenwillige, längliche Form, in dem es ein einzelnes Kunstwerk, ein Solitär sehr schwer gehabt hätte. Und so hat Balkenhol fünf Holzskulpturen geschaffen und sie an der Längsseite des Raumes auf hohen Sockeln aufgereiht. Seitdem überblicken von hier aus Mann und Frau – allein, aber auch in vertrauter Nähe mit Löwe, Kuh und Adler – nicht nur den Bankettsaal, sondern durch die Glasfront scheinbar die ganze Stadt.

Dieses rätselhafte Kunstwerk ist ein wirklich eindrucksvolles Arrangement. Es hat nicht nur mich, sondern auch meine Gäste berührt. Und ich habe mir sagen lassen, dass es immer noch so ist und die Figurengruppen bis heute einen nachhaltigen Eindruck bei den Betrachtern hinterlassen.

Auch zu einem Werk von August Macke hatte ich als Bundeskanzler eine besondere Beziehung. Als ich das neue Kanzleramt in Berlin bezog, hatte ich mich entschieden, hinter meinem Schreibtisch das „Orientalische Märchen“ von August Macke zu hängen. Es stammte aus der Expressionismus-Sammlung, die Helmut Schmidt seinerzeit für das Bonner Kanzleramt angelegt hatte.

Das Bild hing also an dem Ort, auf den jeder schauen muss, der dem Kanzler oder der Kanzlerin am Schreibtisch gegenübersitzt. Zwei Jahre hat mich dieses wunderbar farbige Märchen-Bild begleitet. Danach habe ich es turnusmäßig ausgetauscht gegen den Stürzenden Adler von Baselitz, während das Werk von August Macke immer noch für Inspiration im Konferenzsaal des Kanzleramtes sorgt. Und so finden durch das heutige Ereignis zwei Künstler zusammen, die mich in meinem Leben begleitet haben. Das ist für mich ein sehr emotionaler Moment.

Heute enthüllen wir hier eine neue Arbeit von Stephan Balkenhol: die „Hommage an August Macke“. Allen, die dieses Kunsterlebnis möglich gemacht haben, sind wir zu großem Dank verpflichtet. Allen voran der Stiftung für Kunst und Kultur. Mit diesem neuen Projekt Kunst im öffentlichen Raum sollen die Menschen zu einer unmittelbaren Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst angeregt werden.

Und dazu müssen sie, die Bürger und Besucher dieser Stadt, keine Hemmschwelle eines Museums überschreiten. Sie müssen beim Spaziergang durch die Stadt lediglich die Augen offen halten, die Wirkung von Kunst zulassen und sich damit auseinandersetzen. Manche mögen verunsichert sein oder sich provoziert fühlen. Andere werden sich einfach nur über die Schönheit des Kunstwerks freuen.

Wenn Kunst diese Emotionen hervorrufen kann, wenn sie einen solchen geistigen Impuls auslöst, ist sie gut und hat ihr wichtigstes Ziel erreicht, nämlich Geist und Sinne herauszufordern. Ich bin sicher, dem Betrachter, der hierher kommt, wird es gewiss so ergehen. Stephan Balkenhol hat den Ort, die Umgebung geradezu perfekt ausgewählt. Hier am Rande des Hofgartens, auf dem Unicampus, ist die Dominanz der Natur noch erfahrbar. Und für August Macke war ja die Einheit von Mensch und Natur ein ganz zentrales Motiv. So habe ich übrigens auch das Orientalische Märchen im Kanzleramt immer verstanden.

August Macke liebte das Leben, die Menschen, die Farben und die Schönheit der Dinge. Ein Menschenfreund – unaufdringlich und bescheiden – aber mit einer großen Ausstrahlung, voller Lebensfreude, Kraft und Heiterkeit. Das alles spiegelt sich in Balkenhols Kunstwerk wider. Er hat das Besondere des Menschen und Künstlers August Macke kenntlich gemacht und das, was ihn ausmacht, in ein Sinnbild gegossen.

Balkenhol ist es mit dieser vielschichtigen Skulptur meisterhaft gelungen, dem großen Künstler August Macke die verdiente Ehrerbietung zu erweisen. Und es ist gut, dass deshalb heute nicht ein Macke-Denkmal enthüllt wird, sondern eine Hommage an den Menschen, den Künstler und sein Werk. Ich bin sicher, dass die Menschen, die an diesen schönen Ort kommen, Freude haben werden. Sie werden nicht umhin können, dem Blick August Mackes zu folgen und sich von der Farbigkeit und Schönheit der Welt vielleicht verzaubern zu lassen.

Verehrter Stefan Balkenhol, das Kunstwerk ist Ihnen wahrhaftig gelungen! Wir danken Ihnen dafür! Ich wünsche dem Künstler und allen Beteiligten, dass sich viele Menschen von diesem Werk inspirieren lassen. Dass sie diesen Ruhepol heiter, angeregt und zuversichtlich verlassen mögen. Und gerne wiederkommen.«

 

Quelle: Auszug aus der Rede von Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder anlässlich der Übergabe der Skulptur von Stephan Balkenhol „Hommage an August Macke“ an die Stadt Bonn am Sonntag, 2. September 2018 in Bonn

 

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage der STIFTUNG FÜR KUNST UND KULTUR (externer Link).

 

 

 

 

 

 

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